Frieden schließen mit sich selbst

„Schmiegsam und geschmeidig ist der Mensch, wenn er geboren wird, starr, störrig und steif, wenn er stirbt. Biegsam, weich und zart sind Kräuter und Bäume im Wachstum, dürr, hart und stark im Entwerden. Darum gehören Starre und Stärke zum Tode, Weichheit und Zartheit zum Leben.“  Laotse

Seit Jahrtausenden gibt es Kampf und Krieg in der Welt, alle reden vom Frieden und rüsten dabei zum Krieg. Warum ist das so, trotz aller Friedensbemühungen, trotz der Lehren großer Meister, die immer Brüderlichkeit und Liebe lehrten?

Ich denke, die Wurzel des Krieges liegt im Menschen selbst. Er ist uneins mit sich selbst , er klebt an seiner Vergangenheit, hortet „Wunden“ und staut Zorn, Verrücktheit und Wahnsinn in sich an, so dass es alle paar Jahre zu einer Entladung kommen muss.

Wir haben eine sehr destruktive Vergangenheit. Mit derselben Energie hätte der Mensch  schon das Paradies auf Erden schaffen können. Doch wir bleiben stecken in Ablehnung, Kampf gegen das, was ist , Gier und Rechthaberei.

Kampf führt zu Härte, sie führt zur Vorstellung von benötigter Sicherheit und dem Bedürfnis, sich schützen zu müssen. Daraus entsteht Angst, und nichts tötet so schnell wie die Angst, denn bereits in der Vorstellung von Angst ist man vom SEIN getrennt, ist man entwurzelt.

So viele Menschen leben vorwiegend in der Vergangenheit, holen sie ständig wieder neu hervor.  Die Vergangenheit bietet jedoch keine Möglichkeit, darin zu agieren. sie zerstört nur den gegenwärtigen Augenblick und die einzige Möglichkeit , auf konstruktive Art etwas zu verändern.  Auch die Zukunft ist nur ein Hirngespinst, wer sich auf zukünftige Ereignisse vorbereiten will, verpasst sein Leben im Jetzt, das einzige, worauf es wirklich ankommt.

Es gibt eine andere Lebensweise und davon spricht Laotse. Sie bedeutet, weich zu sein, nicht verhärtet, sondern mit dem Fluss zu fließen, so sehr, dass man nicht mehr das Gefühl hat, getrennt zu sein. Wer nicht kämpft, wird zum Leben selbst. Das wird auch als HINGABE, als Vertrauen bezeichnet, nicht Vertrauen in irgend jemanden, sondern Vertrauen in das große Ganze, das Göttliche, das Leben selbst.  Dann gibt es keinen Kampf mehr, keine Feindschaft und keine Notwendigkeit, sich zu schützen. Nur das individuelle Ego ist unsicher, es braucht einen Panzer um sich herum. Es ist voller Angst, doch wie kann ein Mensch da glücklich sein?

Wer unglücklich ist, wer kämpft, zeigt nur, dass er den Kontakt zum SEIN verloren hat. Er treibt vielleicht im Fluss, ist aber nicht mit ihm verbunden. Und vielleicht versucht er sogar, gegen den Strom zu schwimmen. Das Ego möchte immer gegen den Strom schwimmen, es fühlt sich wohl, wenn es eine Herausforderung hat, es ist immer auf der Suche nach Kampf, ohne Kampf fühlt es sich als ein Niemand.

Kampf erzeugt Härte. Eine Kruste entsteht um einen herum, welche die Kämpfenden wie ein Kokon umschließt. Neugeborene Kinder haben noch keinen Panzer um sich herum. Sie sind verwundbar, offen und weich, ganz dem Leben hingegeben, doch bald werden sich Persönlichkeitsgeschichten darum herum bilden, die Gesellschaft, die Eltern, die Schule nehmen Einfluss ; doch dann wird das Kind mehr und mehr zum Gefangenen, es wird das Mysterium des Lebens nicht mehr wahrnehmen können. Wenn man den Kindern beibringt, immer stark, immer „Sieger“  sein zu müssen, werden sie irgendwann einmal anfangen, zu kämpfen und die Kriege werden weitergehen.

Mit dem Fluss des Lebens zu fließen bedeutet HINGABE.  Hingabe ist eine Eigenschaft des Herzens. Ein Mensch, der sich hingeben kann, ist voller Ehrfurcht und Liebe für alles, was existiert. Sein Denken spaltet sich nicht in gut und böse, sinnlos und sinnvoll, wertvoll und wertlos auf.

Wir müssen uns nichts „verdienen“, wir sind es jetzt schon wert, zu leben. In dem Augenblick, in dem wir uns  selbst akzeptieren, werden wir verwundbar und  empfänglich, was eine große Stärke ist. Wer sich selbst akzeptiert, beginnt, auch andere Menschen zu akzeptieren. Wer sich selbst ablehnt, lehnt im Grunde das ganze Universum und das Leben an sich ab.

Tragischerweise sind wir jahrhundertelang dazu konditioniert worden, uns selbst abzulehnen. Wir sollten immer „besser “ werden, damit wurde unser Verstand vergiftet. Das erzeugte Angst in uns.  Angst ist der angespannte Zustand zwischen dem, was man ist und dem, was man sein sollte. In diesem Zustand ist es unmöglich, total zu leben, denn der Verstand sehnt sich ständig nach der Zukunft. Man kann sich immer etwas „Besseres“ vorstellen Und man kann darum immer angespannt -, ängstlich und besorgt sein. Nur ganz selten ist ein Mensch dieser Falle entgangen, doch welch eine wundervolle Ausstrahlung hatten diese Weisheitslehrer aller Zeiten!

Der Schlüssel zu jeder Transformation ist bedingungslose Hingabe. Aber das bedeutet nicht, dass man nicht im Außen aktiv werden, – und die Situation verändern kann. Das wird oft missverstanden.

In der Hingabe setzt man dem momentanen Zustand keinen Widerstand entgegen. Es ist jetzt einfach so: Krankheit, Armut, Todesfälle, Seuchen, Einschränkungen  sind in mein Leben gekommen, ich kann es momentan nicht ändern, ich akzeptiere es für den Moment.  Und aus der Akzeptanz entsteht innere Freiheit von äußeren Umständen. Das Handeln und die Veränderung wird dann nicht mehr aus einer konditionierten Reaktion heraus entstehen, sondern einer inneren Notwendigkeit entspringen und viel effektiver sein. Eine Reaktion entsteht immer aus alten Mustern der Vergangenheit, eine Antwort entsteht aus der Gegenwart.

Dinge aus der Vergangenheit mit uns herum zu tragen wird uns nur daran hindern, die neuen Aufgaben zu lösen, die in jedem Augenblick auftauchen. Die Vergangenheit ist vergangen, wir können jetzt nichts mehr daran ändern. Wenn wir jeden Augenblick so vollkommen und bewusst wie möglich leben, wird auch die Vergangenheit in uns erlöst werden und wir können mit neuer Frische und Intensität in den nächsten Augenblick gehen.

Kinder tragen noch nichts mit sich herum. Wenn sie wütend sind, dann sind sie wütend… und im nächsten Augenblick ist die Wut wieder verschwunden, sie spielen wieder und freuen sich ihres Lebens.

In jedem Augenblick präsent zu sein, so dass sich nichts auf den neuen Moment überträgt, ist Lebenskunst.  Dann ist es unmöglich, hart und starr zu werden. Die Weichheit und das Staunen eines Kindes kann sich nur jemand erhalten, der nichts aus der Vergangenheit mit sich herumschleppt, der sein Leben in jedem Augenblick neu feiert.

So kann man sein Leben auf zweierlei  Arten leben, man kann mit ihm fließen, ohne Kampf, ohne Gewalt , ohne Konflikt , so bewusst, wie nur möglich, das ist der Weg der Weisheit, –  oder man kann sich dagegen auflehnen, abwerten, verurteilen, kämpfen,  was immer auch Leiden bedeutet.

Angela

 

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