Die wertvollsten Erinnerungen fangen mit Mut an

Sind wir alle nicht wirklich mutig? Schimpfen auf die dummen Schlafschafe, die „blöden Deutschen“ und stellen uns der herrschenden Mainstream Meinung entgegen , betrachten uns als „Aufgewachte“ und haben den „Mut“, unsere Ansichten im Internet frei und alternativ zu äußern. Wenn auch unter einem Pseudonym und behaglich vom bequemen Sessel aus!    .

Volker Pispers hat es einmal so ausgedrückt: “ Heben Sie ihre Eintrittskarte für diese Kabarett-Veranstaltung gut auf, so können Sie später einmal sagen, dass sie im Widerstand waren“…..

Ist das wirklich Mut?

Mut heißt doch, trotz aller Ängste ins Unbekannte zu gehen, die Herausforderung des Unbekannten anzunehmen und zu erkennen, dass das Leben nicht langweilig, sondern ein Abenteuer ist. Grundsätzlich bedeutet Mut, das Bekannte für das Unbekannte aufs Spiel zu setzen, das Vertraute für das Neue, die Bequemlichkeit für eine unbequeme und beschwerliche Reise zu einem unbekannten Ziel. Nie weiß man, ob man es schaffen wird, oder nicht, die Angst ist da, aber wenn man sich dieser Herausforderung immer wieder stellt, verschwindet sie allmählich.

Das englische Wort „courage“ für Mut ist sehr aufschlussreich. Es stammt von der lateinischen Wurzel „cor“ ab, die „Herz“ bedeutet. Mutig sein bedeutet also, vom Herzen her zu leben, nicht vom Verstand aus. Der Weg des Herzens ist der Weg des Mutes. Die Vergangenheit lässt man hinter sich und ist offen für die Zukunft. Mut bedeutet, gefährliche Wege zu gehen, keine Absicherung zu haben . Ein Mensch,  der durch und durch lebendig ist, geht immer ins Unbekannte. Das Herz ist immer bereit, etwas zu riskieren, der Kopf will alles berechnen, sich absichern. Er besteht aus allem, was wir ohnehin schon wissen. Er ist die Vergangenheit, das Tote, das, was vorbei ist. Das Herz dagegen ist die Zukunft, es hat immer Hoffnung und weiß, die Zukunft enthält noch neue Möglichkeiten. Unsere Gegenwart bewegt sich ständig in die Zukunft hinein.

Natürlich werden wir uns auf unserer Reise ins Unbekannte auch verlaufen und Fehler machen, das gehört einfach zu unserer Freiheit dazu. Und was ist schon richtig und was ist falsch? Was heute richtig ist, kann morgen schon falsch sein und  umgekehrt. Das Leben lässt sich nicht in Fächer einteilen. Als „richtig“ würde ich alles definieren, was im Einklang, in Harmonie  mit dem Leben ist, ( Am Ergebnis kann man es erkennen)  ,als falsch das Gegenteil. Aber auf vorgefertigte Meinungen und sogar Fakten sollte man sich nicht verlassen, wenn sie auch noch so weise und klug daherkommen. Es ist notwendig, in jedem Moment wachsam zu sein, denn das Wesentliche muss immer wieder aufs Neue entschieden werden. Das Leben ist nicht berechenbar, am Ende seines Lebens wird das jeder Einzelne bestätigen können.

Fakten machen nur einen kleinen Teil der Existenz aus, und sogar einen sehr kleinen. Die Wissenschaft befasst sich mit diesen Teilen, weil Teile sich leichter handhaben lassen. Man kann sie analysieren, besitzen, zerlegen und in Schubladen stecken, aber das Leben ist viel größer und geheimnisvoller. Das ist das Geheimnis der Meditation. Sie führt uns ins Unbekannte,. Unerschlossene und sie erreicht dann ihren Höhepunkt, wenn der Beobachter und das Beobachtete EINS werden.

Um Mut zu entwickeln muss man auch Vertrauen besitzen, Vertrauen in sich selbst . Viele Menschen haben kein Zutrauen zu ihrer Intelligenz. Sie fühlen sich nicht sicher genug, um wirklich Vertrauen in ihren Mut und ihre Integrität zu haben. Und deshalb zweifeln sie und können sich niemals mutig ins Unbekannte  bewegen. Doch jemand, der Vertrauen besitzt, weiß, dass er mit jeder Situation zurechtkommen würde, er hat es oft genug erfahren und erinnert sich daran.  Ein Verstand, der ständig hinter Erklärungen her ist, ist im Grunde ein ängstlicher Verstand. Er kann sich auf nichts einlassen, bevor es ihm nicht erklärt wird, bevor er Gleichgesinnte findet oder  einen Link bekommt, in dem ein anderer ihm seine vage Ahnung bestätigt. Erst wenn er für alles eine Erklärung bekommt,  irgendein bekannter Professor Ähnliches erzählt, ein Dichter schon einmal so etwas geäußert hat, besitzt er das Gefühl, sich auf vertrautem Boden zu bewegen.

Aber so ist das Leben nicht, es gibt keinen Plan, das Leben verändert sich ständig und jeder muss für sich allein sein Leben bewältigen und seine Schlüsse ziehen.

Vertrauen ist leider zum Glauben verkommen, doch das ist nicht dasselbe,  denn Glauben beruht nicht auf Erfahrung.  Um sich jedoch ins Unbekannte zu wagen , braucht man Vertrauen und Mut, denn man entfernt sich vom Konventionellen und Traditionellen und rückt weg von der Menge.

Im Grunde geht es gar nicht um Mut. Es geht darum, dass wir uns klar machen, dass alles Bekannte bereits tot – und alles Unbekannte lebendig ist . Was wählen wir? Wir klammern uns an die Vergangenheit und wollen sie wieder zum Leben erwecken. Doch das ist unmöglich. Ein weiser Mensch lässt die Vergangenheit jeden Augenblick los und geht wie neugeboren in die Zukunft. Für ihn ist die Gegenwart eine ständige Transformation. Er braucht nur genau hinzusehen: Wohin hat ihn das gebracht, was ihm vertraut ist, was er gelebt hat? Ist er vielleicht frustriert, empfindet eine gewisse Sinnlosigkeit, eine Unzufriedenheit, eine Leere?

Im Grunde strebt jeder nach dem Neuen, weil niemand mit dem Alten zufrieden ist,  Wiederholung ist  langweilig und monoton. Wir möchten also wundervolle Abenteuer erleben, aber dazu braucht es Mut, und zwar ganz außergewöhnlichen Mut. Doch meist schrecken wir vor jeder neuen Möglichkeit zurück, wir verschließen die Augen davor. Wie können wir da wachsen? Wir können zwar nicht wachsen, aber unser Bankkonto kann es! Das ist dann der Ersatz. Gefährlich und voller Mut zu leben bedeutet, das Leben so zu leben, als wäre jeder Augenblick sich selbst genug. Wir sollten immer fähig sein, etwas zu riskieren. Das Wagnis ist die einzige Garantie für wahre Lebendigkeit.

Doch irgendwie machen wir weiter, verstecken die Wahrheit und erfinden Lügen, die uns beschäftigt und engagiert halten. Am Ende unseres Lebens sind alle Gewissheiten unsinnig. Das Leben ist von Natur aus unsicher und ein intelligenter Mensch akzeptiert das. Genau diese Bereitschaft, in Unsicherheit zu leben, ist Mut, ist Vertrauen. Das Leben ist keine Wissenschaft und auch keine Kette von Ursache und Wirkung, wenn der Verstand das auch gerne so hätte.

Jeder Mensch verkörpert Freiheit, eine unbekannte Freiheit. Man kann unmöglich etwas vorhersagen oder etwas erwarten, man kann nur sehr bewusst und voller Verstehen leben. Unsicherheit ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens und das ist gut so. Wir wissen nie, was als Nächstes geschehen wird und so ist das Leben eine nicht enden wollende Überraschung. Das Staunen nimmt kein Ende und sich dem zu überlassen, nicht davor zurückzuschrecken, bedeutet MUT.

Mutig sein heißt nicht,  Dinge zu tun, bei der eine große Gefahr für den Körper, das Leben oder den Wohlstand besteht. Das nennt sich eher Sucht nach dem Andrenalin-Kick oder sogar Dummheit.

Mutig sein bedeutet, DIE Dinge zu tun, die wir von ganzem Herzen wollen. Es bedeutet nicht,  furchtlos zu sein. Es bedeutet trotz Angst das zu tun, von dem man innerlich weiß, dass sie richtig sind. Das können ganz viele verschiedene Dinge sein, z.B. Sich endlich von seinem ungeliebten Partner zu trennen, eine Arbeit, die einen nicht erfüllt, zu kündigen,  in eine andere Stadt oder ein anderes Land zu ziehen usw. Mut ist etwas sehr Individuelles.

Es müssen jedoch nicht unbedingt große Dinge sein. Oft sind es die kleinen Dinge, bei denen wir Nervosität verspüren: einen interessanten Menschen anzusprechen, die eigene Meinung zu sagen und dazu zu stehen, NEIN sagen zu können , einen Vortrag zu halten, sich verletzlich zu zeigen und vieles mehr.

Nur das Neue, das Unbekannte kann uns transformieren, aber nur, wenn wir es mit ganzer Seele akzeptieren. Das Neue können wir nicht willentlich in unser Leben bringen, dann würde es den Charakter des Alten in sich tragen, es kommt ganz von selbst. Wir können es nur annehmen oder abweisen. Wenn wir es abweisen, bleiben wir ein Stein, tot und verschlossen. Wenn wir es annehmen, können wir zur Blüte kommen und eines Tages zu uns selbst sagen: Mein Leben war wundervoll und ich habe es voll und ganz gelebt. Danke.

 

 

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