Bewusst und doch verdrängt: Um ein Gefühl zu WISSEN ist nicht genug

Das Corona Virus hat uns auf die eine oder andere Art voll im Griff. Dabei befürchtet einer Krankheit und Ansteckung, die Auslieferung an ein überlastetes Gesundheitssystem, der andere vielleicht den Zwang und die Enge der staatlichen Maßnahmen, den wirtschaftlichen Ruin oder eine völlig veränderte Welt.  Unzählige Meldungen prasseln den ganzen Tag auf uns herab und langsam aber sicher schleicht sich Unsicherheit ein. Wir fangen unnwillkürlich Gedankenströme auf, sofern es in unserem Bewusstsein etwas gibt, das diese Gedankenströme anzieht. 

Der größte Teil der Bevölkerung hat Angst. Die Menschen fürchten, dass etwas wahr sein könnte, was auf keinen Fall wahr sein darf, weil sie es nicht ertragen könnten. Auch diejenigen, die meinen, darüber stehen zu können, tun zumeist alles, um der Konfrontation mit dem, was sie fürchten, aus dem Wege zu gehen.

Aber eines Tages werden auch sie gezwungen, sich mit ihren angstbesetzten Themen auseinanderzusetzen. Vielleicht ist jetzt die Zeit dafür gekommen. Dann werden viele, die jetzt noch cool daherreden, merken, dass sie keinesfalls frei sind von Befürchtungen und Zukunftssorgen, diese werden zumeist nur aus dem Bewusstsein verdrängt.

Doch um ein Gefühl zu WISSEN ist nicht genug. Die Suche nach Befreiung vom Leid ist selber Leid, sie ist nicht die Lösung des Problems. Der Grund, warum viele Menschen jetzt so verstört und verängstigt sind oder unbändigen Zorn empfinden , andere beschuldigen angesichts dieser Krise und all der Maßnahmen, um sie einzudämmen, ist meiner Ansicht nach, dass sie nie ihre Gefühle zugelassen und vollständig gefühlt haben.

In solch einer akuten Situation können wir , wenn wir unsere Aufmerksamkeit in den Körper lenken, feststellen, dass Kopf, Nacken, Brust und Rücken, Hände verspannt sind. Erst in diesem Augenblick lernen wir unsere Angst kennen, indem wir sie FÜHLEN. Vorher wußten wir vielleicht , dass sie existiert und unser Handeln bestimmt, aber wir fühlten das nicht.

Denn hätten wir es zugelassen, das Gefühl wirklich zu fühlen, so hätten wir uns mit dem, was die Angst auslöste, auseinander setzen müssen. Da verdrängen die Menschen sie lieber und lehnen sie ab, weil sie der Idealvorstellung , die sie von sich selbst haben, nicht entspricht, die darin besteht, jemand zu sein, der unter allen Umständen der Wahrheit ins Gesicht blickt und gelassen und mutig bleibt.

Doch nur , wenn man die Angst, die Wut, die Sorge, die Trauer in seinem Körper fühlt und zulässt, sie nicht verurteilt oder wegdrängt, ist es möglich, sich davon zu befreien.

Safi Nidiaye hat mehrere Bücher darüber geschrieben und gibt in diesem kurzen Video eine Einführung in die Fühl-Arbeit.

https://youtu.be/nxtRvEgNN_Q 11 Minuten

Hier zwei eigene Erlebnisse:

Vor vielen Jahren habe ich einmal eine ähnliche Meditation praktiziert, die ich aus den Buch von Sharamon/Baginski, „Einverstandensein“, (Die Erlösung des Schattens) entnommen habe. ( Irgendwann habe ich schon mal davon erzählt)

Ich setzte mich an mehreren Tagen ruhig hin , atmete tief und ließ alles kommen, was da kommen wollte. Ohne jegliche Beurteilung , etwaige Bevorzugung mancher Inhalte oder Abwehr derselben. An den ersten Tagen geschah nicht viel, doch dann tauchten aus der Tiefe längstvergessene Dinge auf, die ich beobachtete, aber weiterziehen ließ. Schließlich kam ein Ausdruck drängend in mir hoch, der zu dieser Zeit sehr angstbesetzt für mich war. Dem wandte ich meine Aufmerksamkeit zu und sofort fing mein Körper an zu zittern, ich hatte das Gefühl, als würde ich durch enge Schläuche gezogen, passierte eine Art Geburtskanal in einer rasenden Geschwindigkeit, empfand schreckliche Angst… aber plötzlich hörte das auf, ich war „draußen“ und soo glücklich.

( Wenn ich jetzt darüber nachdenke, erinnert mich diese Situation an den Sterbevorgang )

Von dem Moment an war ich von dieser Angst vollständig befreit. sie ist nie wiedergekommen.

Ein anderes Mal, als ich nach einer noch nicht völlig überstandenen Grippe und sehr geschwächt diese Meditation machte, tauchten aus dem Nichts heraus wundervolle Farben auf, sie vibrierten, umschlangen sich, wechselten, es war wunderschön anzusehen und dauerte etwa eine halbe Stunde lang an . Als ich daraus auftauchte, war ich völlig geheilt und vital wie vor meiner Erkrankung.

Oft wird in der Psychologie gesagt, dass man seine Angst nur loswird, wenn man ihr begegnet. Das kann in der Tat sehr befreiend sein. Doch in manchen Situationenl ist es vielleicht erst einmal besser, zunächst Abstand zu gewinnen und die Angelegenheit aus einer Entfernung in einem meditativen Zustand zu betrachten, – und dann etwas zu tun. Dadurch wird man  weitaus effektiver handeln, in Übereinstimmung mit sich selbst und mit den Gegebenheiten. Was eine Tatsache für uns zu einem Problem macht, sind die Gefühle, die diese Tatsache in uns auslöst.

Jede Emotion, jedes Gefühl, sei es Ärger, Angst, Wut, Traurigkeit, Eifersucht, aber auch Freude, Liebe, Zärtlichkeit , Dankbarkeit, Vertrauen, Verbundenheit etc. will also vollständig erlebt und angenommen werden, das ist alles, was es braucht.

Dieses vollständige Erleben und Annehmen wäre eigentlich etwas Natürliches, aber leider haben wir es schon sehr früh verlernt. Um es wieder neu zu lernen, helfen uns praktische und meditative Schritte, die beim Körper ansetzen und uns von all den Ausreden des konditionierten Verstandes befreien. Zwei der möglichen Anleitungen habe ich oben benannt.

So kann uns die Corona-Krise zu einem neuen Seins-Gefühl führen, indem wir bewusst etwas annehmen, was in uns verhanden ist und ins Bewusstsein drängt

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